Im Zuge des Iran-Krieges entwickelt sich offenbar eine weitere Front: Nur wenige Tage nach der Verkündung einer Seeblockade hat die mit Teheran verbündete jemenitische Huthi-Miliz im Roten Meer nach eigenen Angaben zwei saudiarabische Öltanker beschossen. Aus Saudi-Arabien hieß es, ein Schiff sei getroffen worden und ein Feuer an Bord ausgebrochen. Die US-Armee flog derweil die zwölfte Nacht in Folge Angriffe auf Ziele im Iran.
Die Huthi-Miliz vollzog nach eigenen Angaben "eine gezielte militärische Operation gegen zwei saudiarabische Öltanker, welche die Blockade verletzt hatten". Die Schiffe "Encelia" und "Layla" seien mit Raketen und Drohnen attackiert worden.
Die staatliche saudiarabische Nachrichtenagentur berichtete unter Berufung auf eine offizielle Quelle, dass die "Encelia" während der Fahrt im Roten Meer angegriffen worden sei, "was zu einem Brand am Bug des Schiffes führte". Die Crew sei nicht in Gefahr.
Auch die britische Behörde für maritime Sicherheit (UKMTO) berichtete, dass ein Öltanker im Roten Meer von einem "unbekannten Geschoss" getroffen worden und ein Feuer ausgelöst worden sei. Der Vorfall habe sich rund 70 Seemeilen vor dem saudiarabischen Hafen Al Schukaik ereignet.
Die Huthi-Miliz hatte am Montag eine Seeblockade gegen saudiarabische Häfen verkündet. Damit droht sich die Meerenge von Bab-al-Mandab im Roten Meer nach der vom Iran blockierten Straße von Hormus zu einem weiteren Krisenpunkt für Frachtschiffe zu entwickeln - und einer neuen Frontlinie im Iran-Krieg.
Der Ölexport Saudi-Arabiens - des größten Rohölexporteurs der Welt - ist bereits durch die Blockade der Straße von Hormus durch Teheran stark eingeschränkt. Allerdings ermöglichte es der saudiarabische Hafen Yanbu am Roten Meer dem Land bisher, Öl zu exportieren, ohne die Straße von Hormus passieren zu müssen. Dies wäre bei einer Seeblockade durch die Huthi-Miliz nicht mehr möglich.
US-Präsident Donald Trump hatte die Huthi-Miliz am Dienstag davor gewarnt, saudiarabische Häfen zu blockieren. "Falls so etwas passiert, werden wir uns darum kümmern", sagte er. "Wir sind schon früher gegen die Huthis vorgegangen, und wir haben seitdem nichts mehr von ihnen gehört."
Trump verschärfte zudem am Mittwoch seine Drohungen gegen den Iran: "Jedes Mal, wenn die Islamische Republik Iran in der Straße von Hormus auf ein Schiff schießt (...), werden die Vereinigten Staaten eine Brücke oder ein Kraftwerk bombardieren und zerstören", schrieb er in Online-Netzwerken.
Die Führung in Teheran reagierte mit eigenen Drohungen. Im Fall von US-Angriffen auf Irans Infrastruktur werde es massive Vergeltung geben, erklärte Außenminister Abbas Araghtschi auf X. "Unsere Verteidigungsrichtlinie ist klar: Auge um Auge." Jeder Angriff auf den Iran, einschließlich seiner Infrastruktur, werde "eine kraftvolle und entschlossene Reaktion nach sich ziehen", erklärte der Außenminister.
In der Nacht zum Donnerstag dann startete die US-Armee eine neue Angriffswelle. Ziel sei militärische Infrastruktur, erklärte das zuständige Regionalkommando Centcom im Onlinedienst X. Die Angriffe zielten darauf ab, "die Fähigkeit des Iran weiter zu schwächen, zivile Seeleute und Handelsschiffe in den Gewässern der Region zu bedrohen". Es war die zwölfte Nacht in Folge, dass die USA Ziele im Iran attackierten.
US-Präsident Trump sieht sich starkem politischen Druck ausgesetzt, den Konflikt zu beenden. Sein Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte am Dienstag erklärt, der Krieg habe die USA bereits 37,5 Milliarden Dollar (knapp 33 Milliarden Euro) gekostet.
Umfragen, die auf eine zunehmende Ablehnung des Krieges hinweisen, wies Trump am Mittwoch zurück. "Die US-Bürger wollen keine hohen Benzinpreise, aber sie sind nicht gegen den Krieg", sagte er beim Aufbruch zu einem Luftwaffenstützpunkt, wo er die sterblichen Überreste von vier im Iran-Krieg getöteten US-Soldaten in Empfang nehmen wollte.
Auch der Iran flog derweil offenbar neue Angriffe auf US-Stützpunkte in der Region: Die Armee von Kuwait teilte in der Nacht mit, dass sie "feindliche Drohnenangriffe" bekämpfe.
Die iranischen Revolutionsgarden erklärten zudem, drei Öltanker seien an der Durchfahrt durch die Straße von Hormus gehindert worden. Die drei Schiffe seien von der US-Armee "verleitet" worden, die mit Minen versehene südliche Route in der Meerenge zu passieren, hieß es in einer von den staatlichen Medien verbreiteten Erklärung. "Doch nachdem eines von ihnen explodiert war und Feuer gefangen hatte, drehten die beiden anderen rasch um und kehrten zurück."
Die Sperrung der Straße von Hormus durch Teheran bei Kriegsbeginn im Februar hatte die Ölpreise weltweit explodieren lassen. Nach einer zwischenzeitlichen Entspannung dank einer Annäherung zwischen Washington und Teheran zogen sie zuletzt wieder deutlich an. Am Mittwoch sprang der Preis für ein Barrel erstmals seit mehr als fünf Wochen auf über 95 Dollar.
F.Mahajan--BD